Die Priorisierung von Anforderungen ist eine der schwierigsten Aufgaben eines Business Analysts. Zu Beginn sammelt der Analyst eine vollständige Liste der Anforderungen von jedem Stakeholder. Dann definiert er Kriterien zur Priorisierung: Geschäftswert, Risiken, Dringlichkeit, Kosten, Einfluss auf den Benutzer, technische Durchführbarkeit. Zur Systematisierung wird häufig die MoSCoW-Matrix (Must/Should/Could/Won’t) sowie die Methoden Weighted Shortest Job First (WSJF), RICE und andere verwendet.
Die Mehrkriterienanalyse hilft den Stakeholdern zu erklären, warum die Anforderungen eines Teilnehmers umgesetzt werden und die eines anderen verschoben werden. In der Folge wird eine Abstimmung durchgeführt – eine „Prioritätenkarte“ wird erstellt:
| Anforderung | Stakeholder | Einfluss | Priorität | Erwartete Freigabe | |----------------|-------------|----------|-----------|--------------------| | Integration X | TEAM_A | Hoch | Hoch | 1.0 | | Funktion Y | TEAM_B | Mittel | Mittel | 1.1 |
Der Analyst begründet die Wahl auf der Grundlage der Kriterien und bindet den Projektkurator für Eskalationen ein.
Schlüsselmerkmale:
Kann man sich nur auf die Meinung des einflussreichsten Stakeholders verlassen?
Nein. Eine einseitige Befolgung der Meinung eines Stakeholders führt zu Verlusten in anderen wichtigen Bereichen des Projekts und zu potenziellen Konflikten.
Sollte man nur nach der Dringlichkeit der Aufgabe priorisieren?
Nein. Dringlichkeit ist nur einer der Parameter; es ist notwendig, die Gesamtauswirkungen auf die Ziele, die Kosten und die Risiken zu bewerten.
Ist die endgültige Prioritätenkarte während des gesamten Projekts statisch?
Nein, die Prioritäten sollten flexibel überprüft werden, wenn sich die Unternehmensziele ändern, neue Einschränkungen oder Informationen auftreten.
Negativer Fall: Auf Anforderung eines Top-Managers wurde ohne vorhergehende Abstimmung eine nicht ausreichend durchdachte Funktion in das ERP-System aufgenommen, wodurch die Bedürfnisse der wichtigsten Benutzer ignoriert wurden.
Vorteile: Loyalität eines Stakeholders erhöht Nachteile: Insgesamt sank das Zufriedenheitsniveau, die Kosten für Nacharbeiten stiegen.
Positiver Fall: Der Analyst initiierte ein Meeting: gemeinsam mit den Leitern der funktionalen Bereiche entwickelte er einen ausgewogenen Aufgabenplan anhand der MoSCoW-Matrix.
Vorteile: Erhöhte Transparenz in der Anforderungserhebung, verbesserte Teamarbeit. Nachteile: Zusätzliche Zeit für die Abstimmung erforderlich.