Geschichte der Frage:
Frühe Phasen von Projekten sind oft durch unzureichende Klarheit der Geschäftsziele und Architekturentscheidungen gekennzeichnet, weshalb der Systemanalytiker mit dem Problem konfrontiert ist, das optimale Detailniveau der Anforderungen zu bestimmen. Eine falsche Wahl führt entweder zu übermäßiger Ausarbeitung (Overengineering) oder zu Unklarheiten und Missverständnissen im Team.
Problem:
Einige Stakeholder möchten Details „an Land“ sehen, während andere befürchten, dass übermäßige Detaillierung die Flexibilität beeinträchtigt. Der Übergang zwischen den Phasen (von der Konzeption zur Planung, dann zur Umsetzung) erfordert rechtzeitige Aktualisierungen der Anforderungen und die Einbindung aller Beteiligten.
Lösung:
Der Systemanalytiker verwendet einen iterativen Ansatz. In den frühen Phasen werden nur die grundlegenden Geschäftsbedürfnisse und großen Blöcke (Epics) festgelegt, dann werden die Detailniveaus im Verlauf der Entwicklung erhöht:
Wichtige Merkmale:
Wer sollte das erforderliche Detailniveau bestimmen — der Analyst, der Architekt oder der Auftraggeber?
Es wird oft fälschlicherweise gedacht, dass dies nur der Analyst oder nur der Architekt tut, jedoch ist die richtige Antwort: Das Detailniveau ist die Verantwortung der gesamten koordinierenden Gruppe (Analyst, Architekt, Product Owner, technische Leiter und Auftraggeber), die im Rahmen der Projektmethodologie abgestimmt wird.
Sind High-Level-Anforderungen für den Start der Teamarbeit ausreichend?
Nein, High-Level-Anforderungen sind für die Bildung einer gemeinsamen Vision notwendig. Für den Übergang zur Entwicklung sind präzisierte Szenarien (User Stories, Akzeptanzkriterien) unerlässlich, andernfalls besteht ein hohes Risiko von Missverständnissen und Fehlern bei der Implementierung.
Sollen alle Anforderungen bis zur Veröffentlichung gleich detailliert sein?
Nein, oft werden die Anforderungen für MVP so tief wie möglich ausgearbeitet, während weniger priorisierte Aufgaben auf Entwurfsebene gehalten werden, um Ressourcen nicht vorzeitig zu verschwenden.
Negativer Fall: CRM-Projekt in einem Startup. Das Unternehmen bestand auf vollständiger Detaillierung aller Module im Voraus. Der Analyst erstellte Hunderte von Seiten Anforderungen für alle zukünftigen Funktionen, obwohl nur der Verkauf Priorität hatte.
Vorteile:
Nachteile:
Positiver Fall: In einem ähnlichen Projekt hat der Analyst einen Kern von Anforderungen für das MVP (Leads- und Deal-Management) formuliert, während die anderen als Epics mit kurzer Beschreibung festgehalten wurden. Die Detaillierung fand während der Annäherung an die Implementierungssprints statt.
Vorteile:
Nachteile: